Olympus E-620

Kurzbeschreibung

Die Olympus E-620 ist eine digitale Spiegelreflexkamera, die es sich im Preisbereich um die 600 € breit gemacht hat (aktueller Straßenpreis ohne Objektiv, 6/09). Was kann der Fotograf für diesen Preis erwarten? Wenn es nach Olympus geht, sehr viel! Denn was Ausstattung und Funktionsvielfalt angeht, macht diesem Gerät so schnell keine andere Kamera etwas vor: Bildstabilisator, dreh- und schwenkbarer Monitor, Spiegelreinigungssystem, optionaler Multifunktionsgriff sprechen hier eine deutliche Sprache, Und das bei einem Gehäuse, das eines der kleinsten, leichtesten und handlichsten Bodys ist, das man im ambitionierten Sektor erwerben kann.

Bildqualität

Die Olympus E-620 setzt den gleichen Bildsensor ein, der schon bei der Olympus E-30 zum Einsatz kam. Und auch die Panasonic Lumix DMC-G1 verwendet diesen 12 Megapixelsensor. Die hohe Integrationsdichte (viele Pixel auf verhältnismäßig kleiner Fläche) führen zu den bekannten Problemen: Das Rauschen der Bilder nimmt bei höheren ISO-Zahlen messbar zu – ist aber nur bei extremen Belichtungsverhältnissen deutlich sichtbar.

Die Eingangsdynamik, also dem Wert den man bei analogen Filmen also Belichtungsumfang bezeichnet hat, beträgt bei ISO 200 rund acht Blendenstufen. Das ist verglichen mit anderen digitalen Kameras ein eher durchschnittlicher Wert. Positiv ist aber, dass dieser Wert auch bei höheren Empfindlichkeiten nur um eine Blende abfällt. Allerdings sind ISO-Werte von 3200 und höher nur in Ausnahmesituationen empfehlenswert.

Bei der Ausgangsdynamik (dieser Wert bezeichnet den Tonwertumfang eines Bildes) war Olympus in der Vergangenheit nicht immer vorbildhaft: Schwarz neigt bei dieser Kamera gelegentlich zu einem Dunkelgrau und das Weiß sieht auch nicht immer aus, als wäre es blütenrein. Mit dem Anpassen des Tonwertumfangs kann man diesem Problemchen aber schon innerhalb des Menüs Herr werden.

Ein Wort zum dem Objektiv, das sich im Kit befindet: Es handelt sich um das EZ 14-42mm, mit Blendenwerten von 3.5-5.6. Wie häufig bei solchen Setobjektiven machen ihm starke Weitwinkeleinstellungen und sehr offenen Blenden etwas zu schaffen: Auflösung, Verzeichnung und Randabdunklung sind wahrnehmbar, was die Einsatzgebiete dieses Objektivs etwas einschränkt. Wenn möglich sollte man das Objektiv um zwei Blenden abblenden und sich damit nicht den größten Weitwinkelbereich begeben.

Die Art wie die Kamera JPG-Bilder erstellt, kann sich sehen lassen: In den höchsten Qualitätsstufen sind keine Artefakte wahrnehmbar und mehr als brauchbar. Die beiden unteren Einstellungen erstellen platzmäßig kleinere Bilder aber die Fotos bleiben immer brauchbar.

Geschwindigkeit

Die E-620 eignet sich für ultraschnelle Motive, wie man der Fotoagraf sie zum Beispiell beim Sport vorfindet, leider nur bedingt. Zwar sind die vier Bilder pro Sekunde die diese Kamera aufnehmen kann gar kein schlechter Wert aber leider wird dieser Wert nur dann errreicht solange der Buffer noch nicht voll ist. Warum dieser Buffer allerdings nur 6 Bilder fasst, weiß wohl nur Olympus allein. Schreibt man die Bilder statt in den Buffer direkt auf die Speicherkarte, dann kommt die Kamera immerhin noch auf 3 Bilder/s. das allerdings nur dann, wenn eine schnelle CF-UDMA-Speicherkarte zum Einsatz kommt, andernfalls bricht der Wert noch weiter ein.

Die Zeit, die der Autofokus mit dem im Set enthaltenen Objektiv benötigt, um scharf zu stellen geht in Ordnung und schwankt zwischen 0,35 s und 0,5s, je nach eingestellter Brennweite. Dazu addiert sich noch die Auslöseverzögerung von einer Zehntel Sekunde. Insgesamt können so also bis zu 0,6s vergehen bis das Motiv auf die Speicherkarte gebannt wird. Das ist ein guter – aber bei weitem kein überragender – Wert.

Ausstattung

Was Einstellmöglichkeiten, künstlerische Freiheit und Flexibilität angeht (viele nennen es ‚Verspieltheit’) ist die Olympus kaum zu schlagen: Dreizehn verschiedene Motivprogramme wollen entdeckt werden.. Darüber hinaus wartet das so genannte Kreativstudio mit unzähligen Filtern und Nachbearbeitungsprogrammen darauf, entdeckt zu werden. Diese Effekte (z.B. Lochkamera, Popart, Soft Fokus usw.) kann man natürlich auch nachträglich mit einem Bildbearbeitungsprogramm hinzufügen – für Einsteiger und Softwaremuffel aber dennoch eine Bereicherung.

Natürlich bietet die E-620 auch halbautomatische und manuelle Belichtungsmethoden zur Auswahl. Dabei kann die Kamera auch mit einem Lifeviewmodus überzeugen. Einige Motivprogramme setzen übrigens den Lifeviewmodus zwingend voraus. Der Bildstabilisator lässt sich optional aktivieren. Schön ist, dass die Kamera umfangreiche Möglichkeiten zur Belichtungskorrektur gibt. Bis zu fünf Blenden (EV) kann man die Aufnahme über- oder unterbelichten. Auch die verschiedenen Arten der Belichtungsmessung sind überzeugend: Mehrfeldmodus, mittenbetonte Integralmessung, Selektivmessung und Spotmessung.

Auch wenn es um die Blitzsteuerung geht, weiß die Olympus E-620 zu begeistern: Vorblitz (gegen rote Augen), Blitzstärke, Blitzzeitpunkt, Messvorblitz, Blitzverschlusszeit und viele mehr kann der Benutzer freu einstellen und seinen individuellen Bedürfnissen anpassen. Das Gute ist: Das funktioniert nicht nur mit dem eingebauten Aufklappblitz (LZ 12), sondern auch mit dem Aufsteckblitzen und auch drahtlosen Blitzen, die optional erhältlich sind. So viele Freiheiten im Umgang mit dem Blitz gewährt sonst kaum eine Kamera in dieser Klasse.

Besonderheiten

Diese Olympuskamera hat gegenüber den Vorgängermodellen einen vergrößerten Spiegelreflexsucher und einen Monitor, der klapp- und drehbar ist. Leider verfügt der 2,7“-LCD-Monitor nur über eine Auflösung von 320×240 Pixeln, was in vielen Fällen als etwas grobkörnig empfunden wird. Die Haptik ist für ein Gerät dieser Preisklasse sehr gut: Metallchassis und gut verarbeitete Kunststoffe lassen hier ein teureres Gerät vermuten. Die wichtigsten Einstellungen kann man über eine Statusleiste im Sucher mit einem Blick kontrollieren.

Positiv ist auch, das es die Kamera in verschiedenen Sets zu kaufen gibt: Für eine Kamera, die sich an Einsteiger in der digitalen Spiegelreflexfotografie richtet ist dies wichtig, da man nicht davon ausgehen kann, dass der Kunde bereits mehrere Objektive im Schrank ‚herumliegen’ hat. Das Set mit 25 mm Objektiv ist z.B. besonders flach und leicht, um den Übergang von der Digicam zur DSLR im wahrsten Sinne des Wortes nicht so schwer zu machen. Das bereits oben erwähnte 14-42 mm Objektiv ist wohl das ‚Alltagsobjektiv’ der meisten Fotografen. Wem dies noch nicht genug ist, greift zum Set mit dem 14-42 mm Objektiv und zusätzlich dem 40–150 mm Objektiv. Damit ist der Telebereich in jedem Fall ausreichend abgedeckt. Diese Objektive sind zwar aus Kunststoff hergestellt (auch das Bajonett) aber dennoch hochwertig.

Fazit

Die Olympus E-620 ist eine vielseitige Kamera mit viel Kreativ- (und Spiel-) Potential. Die kleinen Probleme in der Dynamik kann sie mit ihrer hohen Auflösung und dem guten Rauschverhalten vor allem in den niederen ISO-Stufen locker ausgleichen. Das Gehäuse ist kompakt, leicht und hochwertig. Einzig die Kameramenüs könnte Olympus einmal entrümpeln: Sie sind nicht in allen Punkten logisch. Alles in allem eine gute Kamera mit der DSLR-Einsteiger sehr viel Spaß haben werden.

Bewertung

Bildqualität 7 / 10
Ausstattung 9 / 10
Ergonomie/Haptik 7 / 10
Geschwindigkeit 7 / 10
Gesamt 7 / 10

Technische Daten

Sensor
Typ/Größe Live MOS-Chip, 17,3 x 13,0 mm
Auflösung 4.032 x 3.024 Pixel
Seitenverhältnis 4:3
Brennweitenfaktor (Crop-Faktor) 2,0
Automatische Reinigung vorhanden
Aufnahme
Anzahl AF-Sensoren insg./
davon Kreuzsensoren
7/5
Verschlusszeiten 60 – 1/4000 sec
Blitzsynchronzeit 1/180 Sekunde
Belichtungsmessung Mehrfeld, mittenbetont Integral, Selektiv, Spot, Lichter, Schatten
Belichtungskorrektur +/- 5 EV ( 1, 1/2, 1/3 Schritte )
ISO-Manuell / ISO-Auto ISO 200 – 3200
ISO 100 – 3200 in 1/3 oder 1 LW-Schritten
Weißabgleich Blitzgerät, Wolken, Schatten, Kunstlicht, Sonnenlicht, Fluoreszierend
Video-Funktion nein
Ausstattung
Bajonett Four Thirds Bajonett
Display Größe / Auflösung 2,7 Zoll, 320×240 Pixel
Liveview Ja
Leitzahl interner Blitz 12
Schnittstellen Hi-Speed USB 2.0
Videoschnittstelle (NTSC oder PAL)
Speichermedium Zwei Kartenslots für CompactFlash (Typ I und II), Microdrive und xD-Picture Card
Abmessungen (BxHxT in cm) 130 x 94 x 60 mm
Gewicht Gehäuse 475 g
Geschwindigkeit
Einschaltzeit 0,9 s
Auslöseverzögerung 0,5 – 0,6 s
Bilder pro Sekunde 4

Surftipp: Panasonic Lumix TZ7 Test

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